Donnerstag, 25. Mai 2017

Schattenwandler - Gideon

Erscheinungsdatum: 07.12.2010

Autor: Jacquelyn Frank

Seitenzahl: 352 Seiten

ISBN: 978-3-8025-8237-0

Erhältlich: hier 

Klappentext:
Seit über tausend Jahren dient der unsterbliche Gideon seinem Volk als Heiler. Als ältester männlicher Schattenwandler ist er für seine Weisheit und Besonnenheit bekannt. Doch selbst er ist empfänglich für die alles verzehrende Begierde, welche die Schattenwandler bei Vollmond erfasst – wie er vor neun Jahren erfahren musste, als er sich in Magdalegna verliebte, die schöne Tochter des Dämonenkönigs. Entsetzt über seinen Mangel an Selbstbeherrschung versteckte sich Gideon vor seiner Geliebten. Doch nun bedrohen Nekromanten Magdalegnas Leben, und Gideon muss ihr Vertrauen zurückgewinnen, um sie und sein Volk zu retten. (Klappentext, Cover by Lyx Verlag)


Rezension:
Die Wesen der Unterwelt - die Schattenwandler... es gibt viele Legenden über sie, doch was ist Wahrheit und was ist Fiktion? Wenn es nach Jacquelyn Frank geht, dann haben ihre liebenswürdigen "Kreaturen" einen besonderen Stil.

Nach Jacob ist nun Gideon, der zweite Teil der Schattenwandler Reihe aus den Fingern der Bestseller-Autorin Jacquelyn Frank, an der Reihe. Und wie der Titel bereits verrät, dreht sich dieses Mal alles um den geheimnisvollen Dämonenheiler Gideon, der auf eine harte Probe gestellt werden wird. Bereits der Auftakt des Romans verspricht viel. Nach einem brutalen Angriff auf die Vollstreckerin ist die "Schattenwelt" in Aufruhr und auf der Suche nach dem Feind. Mitten im Geschehen muss der Dämonenälteste jedoch seine Lieben schützen.
Durch diesen Umstand ist die Handlung anfangs noch sehr interessant und spannend, doch ab ca. der Hälfte des Buches zieht sich das Geschehen arg. Die Handlung fühlt sich wie in Dauerschleife an und hat lange Zeit keinen "Wow-Effekt". Auch der Grundablauf der Geschichte ist im Hinblick auf Band eins nicht wirklich neu. Mal wieder gibt es eine -wenn auch etwas andere- Entführung und einen "unbekannten" Feind. Dies hat leider zur Folge, dass keine fesselnde Spannung mit unerwarteten Wendungen aufkommt. Ein großer Pluspunkt sind hingegen die Charaktere, welche aufgrund ihrer kleinen Fehler sehr sympathische erscheinen.

Megdalegna ist die jüngste Schwester des Dämonenkönigs Noah und kennt damit beinahe jeden am Hof ihres Bruders - darunter auch den Ältesten Gideon, der die junge Dämonin vor langer Zeit tief verletzt hat. Ihr damit beschlossenes Ziel, dem Heiler aus dem Weg zu gehen, ist jedoch alles andere, als einfach... besonders wenn man bedenkt, dass sie sich seit einiger Zeit stark verändert und somit wie eine rote Alarmleuchte wirkt. Es kann also nur zur Konfrontation und ungeahnten Folgen kommen.
Aus der sehr ruhigen und besonnenen Geistdämonin wird -unteranderem durch Gideons Einwirken- eine kleine Kämpfernatur mit sehr viel Mut und Temperament im richtigen Moment. Legna entwickelt durch ihre Veränderung ihr selbst völlig unbekannte Charakterzüge, denen sie sich wohl oder übel stellen muss. Es fällt ihr dabei schwer sich den Ängsten und Unsicherheiten zu stellen, was jeden noch so kleinen Fortschritt umso wichtiger Macht. Diese Schwächen und Veränderungen, die die Protagonistin durchlaufen muss, sorgen für eine gute Prise Verständnis und Sympathie, welche die Handlung dringend nötig hat.
Gideon, der älteste noch lebende Dämon, ist das komplette Gegenstück zu Legna und somit ein perfekter Ausgleich für die Charaktervielfalt des Romans. Während es Magdalagna aufgrund ihrer empathischen Fähigkeiten sehr leicht fällt mit Gefühlen umzugehen, ist Gideon in vielerlei Hinsicht ein Stein. Er mag zwar um einiges mächtiger, weiser und älter sein als die junge Geistdämonin, doch dafür haben ihn die Erlebnisse und Taten der vergangenen Jahrhunderte nicht folgenlos zurückgelassen. Zu ernst, zu verschlossen, zu pragmatisch... wenn es nach Legna geht, muss sich da Einiges zum besseren ändern.
Und genau das passiert auch. Die bereits erwähnte Gegensätzlichkeit des Protagonistenpaares bietet beiden die notige Unterstützung und Hilfe. Legna bringt Gideon auf sozialer Ebene wieder auf die Beine, während er der jungen Dämonin zu Selbstsicherheit und Beherrschung ihrer Kräfte verhilft. Es ist also umso erfreulicher für den Leser, dass aus dem toughen Ältesten in Bezug auf Legna ein gefühlvoller Softie wird, der sich seinen Ängsten und Geheimnissen stellt.

Auch Charaktere aus Band eins haben ihren Weg ihn die Fortsetzung der Reihe gefunden. Sowohl altbekannte Nebencharaktere wie Noah, Ruth und Hannah als auch die Ex-Protagonisten Jacob und Isabella besiedeln Franks Welt. Während die Gelegenheit für die Weitererzählung von Jacobs Geschichte genutzt wird, kommt aber auch viel Neues über die anderen Charaktere sowie Voraussichten auf weiter Bände ans Licht. Doch auch "Debütanten" aus anderen Spezies haben viel Potenzial im Gepäck, welches hoffentlich genutzt wird. Rückblickend muss damit gesagt werden, dass Protagonisten und Nebencharaktere den Mangel an Handlung glücklicherweise abgefangen haben.

Bewertung:
Vor einigen Jahren bin ich durch ein anderes Buch der Autorin über Band eins der Reihe "Jacob" gestolpert. Dieser wahr zwar ganz in Ordnung, hat mich aber nicht sonderlich neugierig auf "Gideon" gemacht. Doch nun habe ich mich auch an den Nachfolger gewagt und muss sagen, dass dieser sogar ein kleines Bisschen besser war, als erwartet.
Jedoch wurden meiner Meinung nach die Stärken und Schwächen dieses Mal vertauscht. Die Handlung hat mich nicht gerade von sich überzeugt und war einfach zu vorhersehbar bzw. eintönig. Dies wirkt sich leider auch auf die vielversprechenden und sympathischen Charaktere aus, die eindeutig bessere Möglichkeiten der Entfaltung verdient hätten.
Ich bin daher in meiner Meinung etwas zwiegespalten. Ich mag die Idee und die Charaktere sehr und hoffe, dass die Folgebände mehr von sich überzeugen. 
Fans der Autorin und der Reihe werden mit "Gideon" ihr Lesevergnügen haben, doch ich glaube nicht, dass die jeztige Taktik noch lange funktionieren wird. Doch vielleicht ist ja ein Wandel in Sicht? 


7/10  bzw. 3,5/5 Sterne 
★★★★

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