Montag, 17. April 2017

Joli Rouge

Erscheinungsdatum: 28.08.2016

Autor: Alexandra Fischer

Seitenzahl: ca. 400 Seiten

ISBN: 978-3-95991-073-6

Erhältlich: hier 

Klappentext: »Ich werde niemals einen Mann heiraten, der über mich befiehlt«, schmetterte Jacquotte ihm entgegen. »Ebenso wenig wie ich jemals einen Mann heiraten werde, über den ich zu befehlen vermag.«
La Española, 1656: Das Gesicht der Westindischen Inseln beginnt sich zu verändern. Einst von Spanien dominiert, beginnen sich die Mächte mit den eintreffenden Seefahrernationen England, Frankreich und Holland zu verschieben. Es ist die Welt der Bukaniere, in der die junge Jacquotte Delahaye aufwächst. Eine Welt der Männer, wie sie sehr bald feststellt, beherrscht von der Bruderschaft der Küste, die nach ihren eigenen Regeln lebt und in der Frauen nicht erwünscht sind. Mit dem ihr eigenen Stolz stellt sie sich den Herausforderungen dieser unsteten Zeit, in der man nur selbstbestimmt leben kann, wenn man ein Mann ist. Wird es ihr gelingen, der Bruderschaft beizutreten und ihren eigenen Weg zu gehen?
Ein historischer Roman über eine der wenigen Piratinnen, die in diesen harten Zeiten überleben konnte.

Rezension:
Getrieben von dem unbändigbaren Wunsch anerkannt zu werden und gleichberechtigt zu sein...
Alexandra Fischer entführt uns mit ihrem Roman "Joli Rouge" ins Zeitalter der Piraten und Freibeuter. Sie erzählt die Lebensgeschichte und den Kampf der jungen Jacquotte Delahaye in einer von Männern regierten Welt. Dabei macht sich die Autorin größere Zeitsprünge und Perspektivenwechsel zwischen den verschiedensten Charakteren zu nutzen. So sieht man Charaktere siegen und sterben, lieben und hassen. 

Durch Einbindung historischer Ereignisse und Personen erscheint die erschaffene Welt sehr lebendig und wandelbar und bringt damit immer neue Konflikte und Handlungsgrundsätze hervor.

Jacquotte wächst mit ihrem Vater in einer Siedlung der Bukaniere auf. Da sie keine weiblichen Bezugspersonen hat, wird der junge Wildfang auch wie ein Mann erzogen. Sie fühlte sich immer als Teil der Gemeinschaft und sah lang Zeit keine nachteilige Behandlung ihr gegenüber. Doch plötzlich fällt es Jacquotte wie Schuppen von den Augen und sie erkennt, dass man eine Frau niemals in die Bruderschaft der Küste aufnehmen wird und sie nur durch den Schutz ihres Vaters besondere Rechte erhält.
Nach einem ereignisreichen und folgenschweren Angriff der Spanier, weiß Jacquotte, dass sie fliehen muss, denn nur so kann sie wirklich frei sein. Doch sie kann sich nicht auf ewig allein in den Wäldern verstecken und sieht sich sehr schnell einer Gefahr gegenüber, der sie noch nicht gewachsen ist. Die junge Frau muss also die schwerste Entscheidung ihres Lebens treffen und alles zurücklassen, um ihren Traum zu erfüllen: Mitglied in der Bruderschaft zu werden.Auf ihrer beschwerlichen Reise macht sich "die rote Jacquotte", wie sie sich später nennt, jedoch mehr Feinde als Freunde und muss mehrmal den Tod ins Auge blicken. Sie muss miterleben, wie Freunde sterben oder zu Feinden werden, aber nichts kann sie von ihrem Ziel abhalten.Man merkt deutlich, wie sich die Protagonistin über die Jahre hinweg verändert. Während sie anfangs noch als Frau in der Bruderschaft anerkannt werden will, ändert es sich später so weit, dass ihr Wunsch, Mitglied in der Bruderschaft zu sein, sie in die Rolle eines Mannes schlüpfen lässt. Es erscheint daher beinahe wie eine Besessenheit, für die sie alles aufgeben würde. Auch emotional gesehen ist die willensstarke Frau somit oftmals ein Stein, wodurch es schwer wird, sich in sie hineinzuversetzen, was sich später leider auch nicht wirklich bessert.

Wie bereits kurz angerissen, gibt es im Leben der Protagonistin viele Nebencharaktere, die ihren Weg kreuzen und manchmal leider auch das Zeitliche segnen. Die Vielfalt der Nebencharaktere ist sehr beeindruckend und was die historischen Personen und deren Zugehörigkeit angeht, leider auch hier und da ein wenig verwirrend. Sie unterstützen und jagen die Protagonistin auf ihrem Weg zum Bruder der Küste. Dadurch wird eine abwechslungsreiche und dynamische Handlung erschaffen, die Jacquotte immer wieder an ihre Grenzen bringt.

Bewertung:
Ich lege das Buch sehr zwiegespalten in mein Regal. Einerseits sind die Idee des Romans und das Cover gut durchdacht und interessant. Die erste Hälfte des Romans ist abwechslungsreich und spannend beschrieben und macht großen Spaß zu lesen. Andererseits hat mich die zweite Hälfte nicht wirklich überzeugt. Nach Jacquottes Veränderung erschien sie mir wie ein völlig neuer und gleichzeitig fremder Hauptcharakter, der mich einfach nicht für sich gewinnen konnte. Die Handlung verliert ab diesen Zeitpunkt auch immer wieder für längere Fasen die Spannung und beginnt sich zu wiederholen. Ein weiteres großes Manko ist für mich das Ende. Die dort aufgegriffene Beziehung ist sehr vorhersehbar, aber "Gefühlstechnisch" stumpf. Ich könnte eine ganze Handvoll Charaktere (sowohl Feinde als auch Freunde) aufzählen, die eine emotionalere und bessere Beziehung zu Jacquotte haben/hatten. 

Ich würde "Joli Rouge" so gern eine bessere Wertung geben, da mich das Buch von Beginn an interessiert und fasziniert hat. Aber leider hat das Buch sich gegen Ende hin selbst zerstört. 


7/10  bzw. 3,5/5 Sterne 
★★★★

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